Absage des Antifa Weekend OWL im Mai 2020

Durch das Corona-Virus ist der gewöhnliche Alltag vieler Menschen bis auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Unter diesen Bedingungen ist es uns weder möglich, noch empfinden wir es als angebracht das Antifa Weekend OWL wie geplant stattfinden zu lassen. Daher haben wir uns dazu entschieden das Antifa Weekend OWL im Mai 2020 abzusagen. Jetzt einen neuen Termin festzulegen ist uns angesichts der unabsehbaren Lage leider nicht möglich.

Insbesondere jetzt, in diesen ungewöhnlichen Zeiten, sind wir der Meinung, dass wir uns solidarisch zeigen müssen. Mit den Menschen, deren Leben von dem Virus gefährdet wird, mit den Mitarbeiter*innen im Gesundheitssystem, die unter enormem Druck in einem unterfinanzierten System versuchen unser und euer aller Leben zu retten. Sowie mit all jenen, die durch ihre Arbeit in Logistik, Einzelhandel etc. für volle Kühlschränke und somit einen Rest Alltagsgefühl sorgen. Statt Ihnen zu applaudieren, sollte es das Mindeste sein ihnen allen nach dieser Krise bei Verhandlungen um Tarife und bessere Arbeitsbedingungen den Rücken zu stärken. Unsere Solidarität gilt auch all jenen Menschen, deren Existenzgrundlage gerade wegfällt oder denen, die einfach Support benötigen.

Trotz der globalen Pandemie will der Staat jedoch, dass das kapitalistische System weiterläuft. Dies bedeutet für viele Menschen eine Doppelbelastung: Neben dem Home-Office müssen auch noch die Kids betreut werden und es kommt zu einer Entgrenzung von Arbeits- und privatem Raum. Viele Menschen müssen auch in Zeiten der Pandemie weiterhin an ihrem Arbeitsplatz erscheinen, wo ihnen eine ständige Ansteckungsgefahr durch berufsbedingten Kontakt mit Anderen droht. Auch all Ihnen gegenüber müssen wir uns solidarisch zeigen, indem wir Kritik an diesen Zuständen üben. Gleiches gilt für derzeit durch den Staat eingeschränkte Grundrechte. Einige dieser Maßnahmen halten wir für sinnvoll, andere hingegen sehen wir kritisch. Auch hier sind wir alle gefragt, damit kurzfristige Freiheitsbeschränkungen, inklusive weitreichenden Polizeibefugnissen, nicht zum Normalzustand werden.

Während bei uns zum Schutz vor Covid19 Kontaktsperren verhängt werden, sind in den Aufnahmelagern für Geflüchtete in Griechenland zehntausende Menschen unter unhaltbaren Versorgungszuständen eingepfercht. Häufiges Händewaschen oder social distancing ist zum Schutz vor dem Virus dringend erforderlich, für die Menschen dort jedoch schlichtweg nicht möglich. Eine sofortige Evakuierung aller Geflüchtetenlager an der EU-Außengrenze und Anderswo ist daher dringend notwendig!

Jedoch schaffen es auch in Zeiten von Corona nicht alle Menschen bis in die Geflüchtetenlager und so werden viele Menschen stattdessen hilflos auf dem Mittelmeer zum Sterben zurückgelassen. Die Seenotrettungsorganisationen, die versuchen die Menschen auf dem Mittelmeer in Sicherheit zu bringen, dürfen in vielen Häfen, scheinbar auf Grund der Coronapandemie, nicht mehr anlegen. So schotten sich die europäischen Staaten in Zeiten der Pandemie zunehmend ab.

Solang wir in einem System, einem Europa, einer Welt leben, in der all das stattfindet, ist es notwendig sich zu organisieren, um für ein gutes Leben für alle Menschen zu kämpfen! Daher wollen wir auch das nächste Antifa Weekend mit euch nutzen, um einen Raum für Diskussionen und Vernetzung zu schaffen. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Wir werden euch informieren, sobald es einen neuen Termin für das Antifa Weekend OWL gibt.

Stay safe!

Timetable

FREITAG, 23.08.2019

20:00 Uhr: Film „Die Mission der Lifeline“

SAMSTAG, 24.08.2019

10:00 – 11:00 Uhr: Frühstück
11:00 Uhr: Plenum
11:30 – 13:30 Uhr: Workshop-Phase I
– Die extreme Rechte in OWL- Eine Einführung
– Sani- Workshop
– Workshop der antinationalen Linken Bielefeld zu Klimakrise und Kapitalismus

13:30 – 14:30 Uhr: Mittagspause
14:30 Uhr: Plenum
15:00 – 17:00 Uhr: Workshop-Phase II
– Plakatgestaltung for Beginners
– Unsere Stadt! – Oder: Wie man mit strukturiertem Chaos gegen Windmühlen kämpft
– Sani- Workshop

18:00 – 19:00 Uhr: Mobi-Veranstaltung “100 Jahre Abschiebehaft”
19:00 – 20:00 Uhr: Abendessen
20:00 – 21:30 Uhr: Abendveranstaltung: Lügen- Verdrehen- Diffamieren: Die Leugnung der Shoa und deren Bedeutung für die extreme Rechte

ab 21:30 Uhr: Soli- Kneipe

SONNTAG, 25.08.2019

12:00 Uhr: Selbstverteidigungsworkshop

Abendveranstaltung am Samstag (24.08.2019)

Lügen – Verdrehen – Diffamieren

Die Leugnung der Shoah und deren Bedeutung für die extreme Rechte

Für die extreme Rechte in Deutschland, aber auch im europäischen und globalen Kontext spielt der Umgang mit „Geschichte“ eine wichtige Rolle. Der historische Nationalsozialismus bildet in diesem Kontext nach wie vor einen zentralen Bezugspunkt. Für die Geschichtspolitik der extremen Rechten stellt nicht zuletzt der Umgang mit den präzendenzlosen nationalsozialistischen Verbrechen eine Herausforderung dar, stehen diese doch einer vermeintlich „unbefangenen“ Identifikation mit völkischen, rassistischen und nationalistischen Positionen entgegen. Seit 1945 kommt daher geschichtsrevisionistischen Argumentationsmustern im extrem rechten Politikverständnis große Bedeutung zu, die sich als „Phantasiegeschichten“ oder „historisch-fiktionale Gegenerzählungen“ bezeichnen lassen. Sie orientieren sich nicht an den Erkenntnissen wissenschaftlicher Forschung oder historischen Quellen, sondern sind durch verschwörungsideologisches Denken und antisemitische Topoi geprägt. Vor allem die Leugnung der Shoah bildete für die extreme Rechte spätestens seit den frühen 1970er Jahren ein wichtiges strategisches und –  bezogen auf das eigene Milieu –  vergemeinschaftendes Element. In den vergangenen Jahren rückte die als „Schuldkult“ diffamierte kritische Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus stärker in den Fokus der extremen Rechten. Doch auch die Leugnung der Shoah und anderer nationalsozialistischer Verbrechen erweist sich nach wie vor als erstaunlich mobilisierungsfähig, wie etwa die neonazistischen Solidaritätskampagnen für die verurteilte Shoah –Leugnerin Ursula Haverbeck zeigen.

Der Vortrag widmet sich den Argumentationsmustern, aber auch der strategischen Bedeutung der Shoah-Leugnung durch die extreme Rechte. Diskutiert werden soll, auf welche Resonanzräume diese Form extrem rechter Propaganda stößt, und welche Möglichkeiten es gibt, geschichtsrevisionistischen Positionen zu begegnen.

Michael Sturm, Historiker (Münster)

Workshop: Unsere Stadt! – oder: Wie man mit strukturiertem Chaos gegen Windmühlen kämpft

Wer kennt es nicht? Da will man für ein paar hunderttausend Euro ein Häuschen aus dem Warenkreislauf freikaufen um es zu einem linken Hausprojekt zu sanieren, doch die Realität schmeißt einem permanent Steine in den Weg. Nun ja, wahrscheinlich kennen das gar nicht mal so viele. Deshalb möchten wir, die Initiative Petristrasse2, euch unseren bisherigen Weg uns unsere Erfahrungen schildern, die wir um das namensgebende Objekt gemacht haben. Wir haben nicht mal den halben Weg hinter uns, der Struggle ist nach wie vor real und lange nicht vorbei. Da wir aber finden, dass die gesamte Welt entprivatisiert gehört, möchten wir unser Wissen und unseren aktuellen Stand mit euch teilen, damit zwei, drei, viele Projekte geschaffen werden und wir alle dem Traum einer befreiten Gesellschaft in minikleinen Schritten näher kommen. Der Workshop soll möglichst offen sein und sich an euren Interessen ausrichten: Ob ihr wissen wollt, wie das Ganze formell funktioniert (Mietshäusersyndikat, GmbH, Direktkredite), ihr Geschichten von Onkel:Tante aus der Initiative Petristrasse2 hören möchtet oder über die Baulandpolitik und aktuelle Projekte der Stadt Bielefeld informiert werden wollt, bleibt dabei euch überlassen. Erzählen können wir jedenfalls den ganzen Tag und länger.

Film: Die Mission der Lifeline

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Ein Film von Markus Weinberg, Luise Baumgarten

Sie wurden verklagt, beschossen und blockiert. Wie eine Gruppe Dresdner gegen viele Widerstände ein Schiff ins Mittelemeer brachte, um Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Dafür haben Axel Steier und das Team des Dresdner Seenotrettungsvereins „Mission Lifeline“ erfolgreich Spenden gesammelt.

Mit einem eigenen Schiff sollte es ins Mittelmeer gehen. In seiner Heimatstadt Dresden schlägt Axel Steier für die Idee nicht nur Liebe entgegen. Neben öffentlichem Hass muss er Angriffe, Ermittlungen und Prozesse aushalten. Und dann die Realität auf dem Meer: Boote voller Schutzsuchender, die vor aller Augen zu sinken beginnen, Ölverlust, Beschuss durch libysche Milizen. Über zwei Jahre lang hat Filmemacher Markus Weinberg Axel und sein Team mit seiner Kamera begleitet – bis auf das Schiff vor der libyschen Küste, wo sich der Versuch Leben zu retten zunehmend auch zu einem Kampf um die europäische Idee entwickelt.

Internationale Bekanntheit erlangte Mission Lifeline, als das Schiff des Vereins im Juni 2018 mit 234 geretteten Schutzsuchenden an Bord tagelang einen Hafen suchte, weil sich kein Mittelmeeranrainerstaat dazu durchringen konnte der Crew das Anlegen zu erlauben.

Hier findet ihr den Trailer zum Film

Den Film zeigen wir am 23.08.2019 um 20 Uhr im Ajz- Kino.

Workshop: Die extreme Rechte in OWL – eine Einführung

In OWL existieren verschiedenste Akteur_innen mit unterschiedlichen ideologischen Ansätzen und Strategien in der extremen Rechten. Was sie eint ist die positive Bezugnahme auf Volk und Nation und die Ablehnung emanzipatorischer Werte von Gleichheit und Solidarität, oftmals auch der parlamentarischen Demokratie.
Die Holocaust-Leugner_innen um Ursula Haverbeck sind ebenso Teil der extremen Rechten, wie der AfD nahe Verein „Alternativer Kultur Kongress“. Während die AfD versucht über die Parlamente ihre antidemokratischen Forderungen umzusetzen, finden sich die Reste der ostwestfälischen militanten Neonazi-Szene auf bundesweiten Aufmärschen und Rechts Rock-Festivals. Die sogenannte „Neue Rechte“ versucht im vorpolitischen Raum Themen zu besetzen und Altnazis verharmlosen als „Zeitzeug_innen“ den Nationalsozialismus.
In diesem Workshop sollen die unterschiedlichen Bereiche der extremen Rechten anhand von Materialien analysiert werden. Ihre Relevanz in der extremen Rechten in OWL sollen ebenso benannt werden, wie führende Vertreter_innen der einzelnen Spektren in der Region.